Göflan

Die Kirchen in Göflan

Hoch über dem Dorf Göflan (600 Einwohner) thronen die St. Martin Kirche und die Walpurgis Kirche. Gebaut wurden sie am abfallendem Ende des Schuttkegels der Göflaner Wiesen wohl um vor Muren und der wilden Etsch sicher zu sein. Die St. Martin Kirche wurde erstmals 1185 in einer Ablassverleihung erwähnt. Sie ist aber sicher in der Zeit vom 6. - 8. Jahrhundert nach Christus erbaut worden. Indiz dafür ist das Martinspatrozinium und ein marmornes Chorschrankfragment aus karolingischer Zeit. Der heutige Kirchenbau weist mehrere Bauphasen auf. Der älteste Teil ist der romanische Turm aus dem 13. Jahrhundert. Um 1465 wurde das romanische Langhaus erhöht und umgebaut und der polygonal abschließende Chor hinzugefügt. Dieser spätgotische Bau wurde im frühen 17. Jahrhundert nach Westen verlängert und die Empore erbaut. Zugleich entstand das rundbogige Westportal. Eine Barockisierung der Kirche blieb wegen Geldmangels aus. So zeigt sich uns die St. Martins Kirche heute in diesem Erscheinungsbild.

St. Martinskirche

Die St. Martinskirche reicht weit in das Dunkel des Frühmittelalters zurück. Sie war die Mutterkirche (ecclesia baptismalis) aller Kirchen im Mittelvinschgau. Ihr Einzugsgebiet soll der Sage nach von Prad bis Tschars und bis Vent im Ötztal gereicht haben. Diese Sage findet eine Bestätigung durch den Umstand, dass sich die hintersten Höfe von Schnals (Gamp, Kofl, Gerstgraß, Wis und Kurzraserhöfe) in einem Vertragsbrief von 1572 um 50 Gulden von der Kirche in Göflan freigekauft haben.
1212 wurde die Kirche durch Adalbert und Berthold von Wangen dem Deutschen Orden geschenkt, dem dann 1253 die Pfarre Schlanders zur Seelsorge übertragen wurde. Einen eigenen Geistlichen, zunächst Benefiziat dann Expositus genannt, erhielt Göflan erst 1779. Bis 1985 war das Widum mit einem Kuraten besetzt. Heute wird die Seelsorge durch den Dekan von Schlanders und seinem Kooperator ausgeübt. An jedem Sonn- und Feiertag wird die heilige Messe gefeiert, zudem einmal wöchentlich eine Werktagsmesse und die Kreuzweg- und Maiandachten.


Patrozinium: Hl. Martin 11. 11.

Einen großen Feiertag begeht die Kirchengemeinde am Patroziniumfest des Hl. Martin. Früher kamen schon am Vortag die Marteller Pilger zu Fuß mit dem Kreuz. Am Festtag selber kamen viele Bauern sogar aus dem Oberland, um den Viehpatron, den heiligen Martin zu verehren. Heute füllt sich die Kirche zum feierlichen Hochamt und zur Vesper am Nachmittag. Böllerschüsse und „Schrocken“ geben dem Kirchtag eine besondere Note. „Schrocken“ wird so ausgeführt: Die Kirchenglocken werden durch händisches Schwingen der Glockenkugel zum gemeinsamen Klingen gebracht. Groß gefeiert wird der Kirchtag auch in weltlicher Weise. In den Gasthäusern und Ständen gibt es die traditionellen Martinigerichte. Hauswurst, Schweinernes mit Kraut, Schöpsernes und Kirchtagskrapfen. Die Bürgerkapelle spielt zum Platzkonzert auf. Ein Kuriosum ist es, dass Martini immer am 11. 11. aber nie an einem Sonntag gefeiert wird. Fällt der 11. November auf einen Sonntag wird der Kirchtag vorverlegt. Anscheinend brauchen die Göflaner einen zusätzlichen Feiertag.

St. Walpurgis Kirche

Die St. Walpurgis Kirche wurde im Jahre 1233 erstmals in einer Weiheurkunde genannt. 1502 wurde sie auf eine Stiftung hin neu errichtet und in spätgotischem Kunststil ausgeführt. Sie ist der einzig einheitlich spätgotische Sakralbau im Vinschgau und steht gleich einer zierlichen gotischen Monstranz in der Landschaft (Zitat v. Marjan Cescutti). Bemerkenswert ist das zierliche Netzrippengewölbe mit der dekorativen Malerei. Viele Werkstücke sind aus Göflaner Marmor gefertigt und mit Steinmetzzeichen versehen. Heute dient die Walpurgiskirche als Totenkapelle.

Gottesdienste

Sonntag 8:15 Uhr Heilige Messe
Dienstag 16:00 Uhr Schulmesse